Geschichte

Vereinsgeschichte
Schwerer Start

Der Selbstbau von Flugzeugen war im letzten Jahrhundert in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern immer wieder großen Schwierigkeiten ausgesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst nur wenige Projekte. Selbst die so lang erwartete Wiedererlangung der Lufthoheit 1955 in Westdeutschland brachte keine Fortschritte. Die von den Ostmächten besetzten Länder in Deutschland hatten noch weniger Möglichkeiten, sich mit Eigenbau und Konstruktion von Flugzeugen zu befassen.

Erste Schritte

Die ersten Ansätze zum Bau eines eigenen Flugzeugs kamen Anfang der dreißiger Jahre von der Wasserkuppe. Gefördert wurde vor allem die Entwicklung und der Bau von Segelflugzeugen. Auch der damals noch sehr bescheidene Eigenbau von Motorflugzeugen erhielt hier seine ersten Impulse. In dieser Zeit veröffentlichte der Namensgeber unseres Vereins, Oskar Ursinus, Pläne, mit deren Hilfe es erstmals möglich war, Flugzeuge selbst zu bauen.

Mehr Freiheit

Zur Zeit des Dritten Reichs wurde in Deutschland zwar der Flugzeugbau gefördert, jedoch war an Eigenbauten so gut wie nicht zu denken. Nach dem Krieg wirkte sich das von den Alliierten verhängte Verbot zum Bau einiger bestimmter Flugzeuge lähmend auf den Eigenbau aus. Selbst der Bau kleiner und einfacher Fluggeräte war schwierig. 1955 erhielt das damalige Westdeutschland wieder mehr Freiheit im Flugzeugbau. Trotzdem dauerte es bis 1968 zur Gründung der “Vereinigung zur Förderung des Eigenbaus von Luftfahrtgerät”.

Vorbild Ausland

Das Verdienst zur Gründung gebührt den Herren Professor Claudius Dornier jr. – damals Leiter der Firma Dornier – und Wolfgang Wagner, damals Chefredakteur einer sehr bekannten Luftfahrtzeitschrift. Auf ihren Reisen nach Frankreich und in die USA sahen sie, wie dort der Selbstbau von Fluggerät blühte. Beide waren überzeugt, dass ein Verein, der auch den Flugzeugeigenbau in Deutschland unterstützt, gegründet werden müsse.

Gründung der OUV

Die Gründungsversammlung fand am 9. März 1968 im Deutschen Museum in München statt. Obwohl für dieses Ereignis nicht besonders geworben wurde, erschienen 78 Gründungsmitglieder. Ehrengäste waren unter anderem der Gründer der EAA (Experimental Aircraft Association in den USA) und Professor Alexander Lippisch. Bauen, Neuentwicklungen, Weiterbildung, Steigerung der Leistung und Sicherheit waren die Themen der Gründungsvorträge. Bis heute haben diese Themen nicht an Aktualität verloren.

Anreiz zum Eigenbau

Die Vereinigung zum Selbstbau war zwar nun gegründet worden, es wagten sich allerdings lange Zeit nur wenige an eingenes Projekt heran. Um einen Anreiz für den Eigenbau zu geben, entschlossen sich Präsidium und Projektausschuss 1970 im Rahmen der jährlichen Treffen, einen Preis auszuschreiben. Dieser Preis, vor allem durch Ernst-Günter Haase formuliert, bewertet die Merkmale Sicherheit, neueste Entwicklung, Bauausführung und umweltfreundlichste Konstruktion. Diese Kriterien dienen auch heute noch als Basis für die Bewertung der Selbstbauflugzeuge.

Boom beim Eigenbau

In den ersten Jahren nach Gründung der OUV erwarteten die Behörden nur den Bau von Neuentwicklungen. Ein kommerzielles Motiv, zum Beispiel der Verkauf von Zeichnungen und Bausätzen, war zunächst nicht gestattet. Später wurde diese Regelung im Zuge der Förderung des Baus von vorgefertigten Kitflugzeugen aufgehoben. Allerdings muss der Bauanteil des Selbstbauers nach wie vor mindestens 50 Prozent betragen. Vor allem die Möglichkeit des Baus eines vorgefertigten Fliegers ließ die Anzahl der Eigenbauprojekte nun steil ansteigen. Ein vorläufiger Höhepunkt konnte gegen Ende der neunziger Jahre erreicht werden.

Zwei Varianten zur Wahl

Wollte die OUV ursprünglich nur den Bau neu entwickelter Projekte unterstützen, fördert sie heute in erster Linie den Eigenbau von Bausatzflugzeugen. Dauert eine komplette Eigenentwicklung nicht selten über 10 Jahre, lässt sich der Traum vom eigenen Flieger durch den Bau eines Kitflugzeugs erheblich schneller realisieren. Egal für welche Variante Sie sich entscheiden, die Oskar Ursinus Vereinigung steht Ihnen als kompetenter Partner zur Seite.

Oskar Ursinus

Pionier und Vorbild

Oskar Ursinus wurde am 11. März 1878 in Weissenfels in Thüringen geboren. Nach Abschluss der Schule studierte er in Mitteida Maschinenbau und Elektrotechnik. Der junge Ingenieur war zunächst im Tiefbau tätig, verfasste technische Aufsätze und wurde Herausgeber einer Zeitung für Ingenieure. Schnell galt aber sein Interesse den zunehmenden Erfolgen der ersten Luftfahrtpioniere. In dieser Zeit, als die Gebrüder Wright in Amerika ihre ersten Flugversuche unternahmen, gründete Ursinus die Fachzeitschrift “Flugsport”.

Förderer der Luftfahrt

In “Flugsport” warb er für den Entwurf, Bau und Betrieb von Flugzeugen in Deutschland. Die Internationale Luftfahrtausstellung ILA im Jahr 1909 in Frankfurt gab dem jungen Pionier die Möglichkeit, seine Ideen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Oskar Ursinus entwarf eigene Flugzeuge und Motoren und gründete Flugvereine sowie flugtechnische Institutionen. Wo immer es ging, versuchte er auch den Modell- und Gleitflugsport zu fördern. So kam es 1920 unter anderem durch seine Initiative zum ersten Rhönsegelflugwettbewerb.

Rhönvater Ursinus

Von der Wasserkuppe, dem bis heute “Heiligen Berg” der Segelflieger, ging schließlich auch die Bewegung um die Welt, die so vieles zur Entwicklung der Luftfahrt auf den Gebieten der Aerodynamik, Statik und Meteorologie beigetragen hat. Ursinus zeigte im “Flugsport” immer wieder Vorbilder der Luftfahrt, konstruierte anregende Beispiele und unterstützte die Entwicklung und den Bau eigener Flugzeuge. Bis ins hohe Alter war der “Rhönvater Ursinus”, wie er liebevoll genannt wurde, ein eifriger Förderer der Fliegerei. Oskar Ursinus starb am 7. Juli 1952 im Alter von 74 Jahren in Frankfurt am Main.